Clíodhna - ein Blick hinter die Kulissen

Für alle, die sich dafür interessieren, wie ein Film bei uns produziert wird, haben wir hier ein paar Eindrücke und Erfahrungen zusammengefasst.

Wie sieht unser Set aus?

Im Vergleich zu großen Produktion mit größerem Budget, eher einfach. Wir können uns keine teuren Kameras und Ausrüstung für die Tonabnahme leisten, um direkt am set qualitativ hochwertige Tonaufnahmen aufzunehmen. Die meiste Zeit gibt es also nur eine einfache Kamera (abhängig von der Einstellung und zu vollziehender Bewegung entweder Führung per Hand oder auf einem Stativ), den Regisseur und die Schauspieler. Die Einstellung wird so gewählt, dass keine modernen Gegenstände im Bild sind.

Am Set, Siofra tadelt die Mädchen

Da wir in echtem Schnee drehen (und während der Dreharbeiten zu "Blut im Schnee" bedeutet das bis zu einem halben Meter tiefen Schnee), muss das Set so vorbereitet werden, dass es für die Schauspieler zugänglich ist. Auch für die Arbeit mit der Kamera tut man gut daran, einen warmen Overall zu tragen, denn es kann notwendig werden, sich in den Schnee zu legen oder sich in den tieferen Schnee zu begeben, um eine gute Perspektive auf die Szene zu bekommen.

Manchmal haben wir unter ziemlich kalten Bedingungen gearbeitet (-14 Grad Celsius waren die kältesten). Die mittelalterlichen Kostüme sind nicht unbedingt für diese Temperaturen geschaffen, weshalb warme Jacken und heißes Wasser bereitgehalten werden, um sich so schnell wie möglich wieder aufwärmen zu können. Manchmal, wenn Clíodhna in einer Winterszene aussieht, als fröre sie, ist das meistens keine große schauspielerische Leistung, sondern ihr ist halt einfach kalt!

Andererseits haben wir auch einige Tricks auf Lager, wenn es darum geht, was im Film zu sehen ist und was gerade außerhalb der Kameraeinstellung liegt. Oder wenn wir durch die gewählte Perspektive einen Raum größer (oder kleiner) erscheinen lassen als er eigentlich ist. Man kann im Film zum Beispiel Rórdán und Siofra gegen einen Zaun gelehnt sehen, den sie gerade gebaut haben.

Rórdán und Siofra machen eine Pause (Filmeinstellung)

Was jedoch nicht zu sehen ist, ist, dass der Zaun in Wirklichkeit sehr kurz ist. Dahinter steht sogar ein kleines Häuschen!

Am Set mit Rórdán und Siofra

Was machen wir am Set?

Als erstes wählen wir Kameraeinstellungen unter Berücksichtigung der Beleuchtung und probieren sie aus. Wenn möglich gehen die Schauspiele die Bewegungsabläufe in ihrer Szene erst einmal durch (solange sie noch warme Sachen anhaben) und wir diskutieren, welche Einstellungen wir für die einzelnen Teile der Szene benötigen.

Vorbereitung der Aufnahme

Besonders wenn Schnee liegt, wählen wir die Reihenfolge der Aufnahmen so, dass wir möglichst keine Probleme mit der Kontinuität der Szene durch Spuren im Schnee haben. Oft muss die Kamera dann über einen Umweg dorthin gebracht werden, wo wir sie haben wollen!

Sobald dann auch noch sämtliche moderne Ausrüstung aus dem Blickfeld geräumt ist, kann die eigentliche Aufnahme beginnen. Normalerweise drehen wir eine Szene in 3-5 Aufnahmen aus verschiedenen Blickwinkeln, und nehmen dann noch einige kurze Clips von Details, die wir zeigen wollen. Wenn all das geschafft ist, wärmen wir uns möglichst schnell wieder auf!

Wie arbeiten wir mit Tieren?

Im Film sind verschiedene Tiere zu sehen und was wir machen, hängt eigentlich vom Tier ab: einige (wie Hunde oder Pferde) können abgerichtet werden; mit anderen (wie Katzen oder Kaninchen) ist das nicht so leicht; wieder andere (verschiedene Vögel) sind wilde Tiere und wir können lediglich versuchen, sie irgendwie auf Film festzuhalten. Ein moderner Camcorder ist tatsächlich sehr leistungsfähig und man kann selbst bei 90facher Vergrößerung und per Hand gute Aufnahmen machen, daher können Vögel auch aus großer Entfernung gefilmt werden.

Clíodhnas Katze Ebhlinne

Cliodhnas Katze, Ebhlinne, ist eine der größeren Herausforderungen. Eblinne-Szenen erfordern einiges an Geduld - zunächst holen wir die Katze Mikosch (Ebhlinne wird von einem Kater gespielt...) ans Set und füttern ihn dort. Dann drehen wir Szenen mit Mikosch auf Clíodhnas Schoß und schließlich lassen wir ihn frei herumlaufen und halten die Kamera bereit, in der Hoffnung, dass er mehr Futter sucht und womöglich macht, was er soll. Clíodhna hält sich bereit, ihre Szene zu beginnen, sobald die Katze etwas sinnvolles tut.

Grundsätzlich braucht das seine Zeit, aber bisher funktionierte es ganz gut, obwohl es der Outtakes in Tierszenen viele sind.

Die reicheren Dorfbewohner haben auch Pferde

Alle Pferde im Film kommen aus Doris' Stall Horses and More, und sie können zumindest teilweise für eine Rolle abgerichtet werden. Was wir normalerweise benötigen, setzt zwar lediglich das Training eines normalen Reitpferdes vorraus (geführtwerden, stillstehen, während die Hufe überprüft werden, Lasten tragen...), aber es gibt auch einige kompliziertere Probleme. Zum Beispiel benötigen wir eine Szene, in der ein reiterloses Pferd einen Waldpfad entlang trabt - die Vorbereitung dafür beginnt ein paar Monate vor der eigentlichen Aufnahme, indem das Pferd immer wieder auf diesem Pfad entlang geführt wird, bis es sich an die Aufgabe gewöhnt hat.

Was passiert bei der Tonnachbearbeitung?

Würden wir den am Drehort aufgenommenen Ton für den Film hernehmen, würden alle Stimmen gedämpft klingen, die Lautstärke würde stark zwischen den verschiedenen Einstellungen schwanken und Klänge von weiter weg wären kaum zu hören - ganz zu schweigen von unerwünschten Hintergrundgeräuschen. Aus diesem Grund müssen wir den Ton nachbearbeiten.

Dies ist im Allgemeinen kompliziert und erfordert mehrere Schritte. Zunächst einmal gibt es ein paar Klänge in der Originaltonspur, die wir beibehalten wollen - Fußstapfen im Schnee oder eine sich öffnende Tür - den im Original sind diese perfekt mit dem Bild synchronisiert. Daher trennen wir die Tonspur vom Bildmaterial und entfernen Hintergrundrauschen mit spezieller Software zur Soundbearbeitung (Audacity).

Sprache nehmen wir neu auf, und um sie mit den Lippenbewegungen zu synchronisieren, müssen wir dabei entweder den Film laufen lassen oder die Stimmen in der Originalaufnahme nachsprechen. Da derart im Studio aufgenommene Stimmen zu klar und zu nahe klingen, führen wir eine frequenzabhängige Dämpfung durch (abhängig davon, ob die Szene drinnen oder draußen spielt und wie weit die Kamera entfernt ist, werden hohe Frequenzen mehr oder weniger abgeschnitten) und fügen einen Nachhall-Effekt hinzu, um die Akustik der Szene zu simulieren. Anschließend werden die Stimmen wieder in die Filmspur eingefügt, so dass die Stereoposition mit der Position des Sprechers übereinstimmt.

Die verschiedenen Tonspuren (in Grün) einer relativ einfachen Szene.

Die Arbeit ist an diesem Punkt dennoch noch nicht getan, denn es kann trotzdem sein, dass subtile Klänge fehlen. Wenn man sich das oben gezeigte Bild im Filmeditor anguckt, sieht man vier verschiedene Soundlayer (in Grün) - der erste ist der Originalton aus der Szene, auf dem letzten sind Stimmen, was also ist auf den anderen zwei?

Der erste durchgängige ist das Ambiente: wir fügen normalerweise einen subtilen Hintergrund hinzu, der die Szene untermalt; in Clíodhnas Hütte kann das zum Beispiel das Knistern eines Feuers sein. Dieses sollte nicht sehr vordergründig sein, aber es beeinflusst die Stimmung der Szene.

Der letzte Layer (im Englischen der sogeannte Foley layer, benannt nach Jack Foley, der dies als erstes fürs Filmemachen eingeführt hat) enthält Geräusche, die später eingefügt wurden und normalerweise ein kleines bisschen verstärkt werden. Das Aufschütteln eines Bettes zum Beispiel oder das Abstellen einer Tasse macht ein charakteristisches Geräusch, das auf einer Aufnahme nicht gut vernehmbar ist. Wenn jedoch eine verstärkte Version des Geräusches hinzugefügt wird, wird die Szene dadurch lebendiger. Wenn man sich tatsächlich einen Film anguckt und auf die Geräusche achtet, wird man feststellen, dass viele Geräusche in Wirklichkeit nicht so klingen würden wie im Film, würden sie aber fehlen, fehlte auch dem Film etwas. Natürlich müssen auch Geräusche der Akustik der Szene und der Stereoposition angepasst werden.

Der endgültige Ton des Filmes ist also eine Kombination dieser vier Ebenen zusammen, was eine Menge mehr Arbeit enthält als die Bildaufnahmen selbst!

Was passiert bei der Videobearbeitung?

Ein moderner digitaler Camcorder ist schon ein feines Gerät, das es ermöglicht, Aufnahmen von hoher Qualität in unterschiedlichsten Lichtverhältnissen zu produzieren. Im Großteil der Fälle nehmen wir dennoch eine Überarbeitung vor.

Ein Grund ist der, dass wir nicht ausreichend Kontrolle über die Beleuchtung am Set haben. Beispielsweise ist Clíodhnas Hütte in Innenszenen von Kerzen und einem Feuer erhellt - es wäre jedoch schwierig, tatsächlich ein Feuer am Set zu entzünden und außerdem wäre es dennoch zu dunkel für die Kamera. Also machen wir die Aufnahmen am Set normalerweise mit ausreichend Licht, so dass die Kamera qualitativ hochwertige Bilder liefert und dass Schattenwurf sowie die Balance zwischen direktem und indirektem Licht stimmt. Erst später gleichen wir Licht so an, wie wir es uns für die Szene vorgestellt haben.

Als ersten Schritt lassen wir eine Gammakorrektur über das Kamerabild laufen; je nachdem wie dies getan wird, kann es Schatten hervorheben und die Szene dramatischer erscheinen lassen, indem die volle Bandbreite an Farben ausgenutzt wird, oder es kann den Kontrast ein wenig reduzieren. Dies kombinieren wir falls nötig mit einem Helligkeitsfilter, sollte die Kamera die erwünschte Belichtung nicht abbilden können.

Im zweiten Schritt benutzen wir einen subtilen Abtönfilter, um das Licht entsprechend der angenommenen Lichtquelle im Film einzufärben - ein warmes Goldgelb für Kerzen, ein bisschen rötlicheres Licht für eine einzelne Feuerstelle, oder sogar eine blau-violette Einfärbung für Außenszenen am frühen Morgen. Der Abtönfilter beeinflusst die Athmosphäre der Szene in hohem Maße.

Das Originalbild von der Kamera. Das Bild nach der Gammakorrektur. Das abgetönte Bild im Endprodukt.

Ebenso werden Nachtszenen nicht tatsächlich im Dunkeln aufgenommen (die Kamera kann bei Mondlicht zwar ein Bild produzieren, doch dies wäre sehr verrauscht und von schlechter Qualität). Stattdessen machen wir die Aufnahme in der Dämmerung, wenn die Sonne hinterm Horizont verschwunden ist und es beginnt, dunkel zu werden. Dann ist nämlich alles direkte Licht verschwunden, aber wir haben dennoch ausreichend indirektes Licht, welches wir in der Nachbearbeitung abdunkeln und bläulich einfärben können. Auf diese Weise bekommen wir sehr viel bessere Qualität.

Den hier dargestellten Arbeitsgang durchläuft fast jede Szene im Film, für einige jedoch benutzen wir noch fortgeschrittenere Filter wie Weichzeichnen, Kantendetektion oder Welleneffekte, um z.B. Magie zu visualisieren.


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